17 Jul

Dong Open Air 2012

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Vom 12. - 14.7.2012 enterten zum 12. mal unzählige Metalfans die Halde Norddeutschland im Nordrhein-Westfälischen Neukirchen-Vluyn, um gemeinsam das Dong Open Air zu zelebrieren. Weder Wind noch Wetter – beides in unschöner Form vorhanden – konnten dabei die Stimmung trüben.

Tag 1:

Als um 17.20 Uhr bereits der Großteil der Gäste den je nach Fortbewegungsart mehr oder minder beschwerlichen Weg auf den rund 100 Meter hohen Dongberg hinter sich gebracht hatten – zur Auswahl standen Taxis oder aber ein Fußweg von rund 15 Minuten bei guter sportlicher Verfassung – eröffneten die Oberhausener Jungs von Path of Golconda das Festival.
Leider hatten bis dahin längst nicht alle Besucher ihr wohlverdientes Bändchen erhalten, technische Probleme sorgten für eine Wartezeit von ca. 2 Stunden. Wer dies allerdings bereits hinter sich hatte, kam in den Genuss von sattem, melodischen Death Metal moderner Prägung. Es ballerte ordentlich, die Soli und nicht zuletzt die fantastische Stimme von Fronter Manuel, dem „Pete Steele des Ruhrgebiets“ sorgen für eine vom Start weg ausgelassene Stimmung im ca. halb gefüllten Zelt. Schade, dass die Jungs so früh spielen mussten, mit ihrer großartigen Performance hätten sie definitiv eine spätere Spielzeit verdient gehabt.

Um 20.35 Uhr folgte dann das erste Highlight dieses Festivals: Hungöver, rund um den ex-Black Messiah Gitarristen Zoran und den ex-Sodom Trommler Bobby! Das anfangs noch recht leere Zelt bekam eine interessante Mischung aus groovendem Rock und Thrash Metal, gepaart mit dem recht alternativen, rauchigen Gesang von Sänger Dome, geboten. Musikalisch sicherlich nicht jedermanns Sache, die Performance ließ aber keine Wünsche offen. Besonders Sänger Dome gab mehr als nur 100% und die Menge dankte es ihm. Spätestens als er sich gegen Ende der Show sogar im Publikum blicken ließ, gab es kein Halten mehr!

Gekrönt wurde dieser erste Abend dann um 23.00 Uhr mit dem Auftritt der Folk-Death-Metaller Suidakra aus Monheim. Spätestens seit ihren Touren durch die USA, Asien und Indien, auf denen sie sich in letzter Zeit häufiger tummelten als auf den heimischen Bühnen, sind die Jungs dem Underground entwachsen.
Wenig verwunderlich also, dass das Zelt bis auf den letzten Platz gefüllt und die Stimmung schon vor Beginn der Show auf dem Siedepunkt war. Suidakra präsentierten ein herrlich abwechslungsreiches Set, welches in der ersten Hälfte von älteren und in der zweiten von neueren Songs dominiert wurde – ein herrlicher Mix, bei dem sicherlich jeder Fan dieser Band auf seine Kosten kam.
Und so wurde auch in Sachen Stimmung die Messlatte für die nächsten Tage auf ein verdammt hohes Niveau gehoben. Egal ob Moshpit, Circlepit oder die althergebrachte Polonaise, alles war vertreten. Und auch die Band hatte sichtlich Spaß bei ihrem dritten Auftritt auf dem Dong Open Air, daran gab es keine Zweifel.
Leider war der Sound, wie schon den ganzen Tag, nicht gerade der beste, es fehlte an Druck in den Mitten, sodass primär Gesang und Drums präsent waren, die Gitarren jedoch untergingen. Dies ist jedoch nur ein kleiner Wermutstropfen, der die Leistung des Quartetts nicht schmälern kann.
Auch Gastsängerin Tina Stabel kam bei Biróg's Oath zu einem Einsatz, sicherlich einer der besten Momente dieser Show.
Nach herausragenden 90 Minuten und drei Zugaben verließen Suidakra unter tosendem Applaus die Bühne.

Setlist:
Over nine Waves
Dowth 2059
The IXth Legion
Pendragons Fall
Gates of Nevermore
The Well of Might
Darkane Times
Shattering Swords
Biróg's Oath
Isle of Skye
Stone of the Seven Suns

Zugaben:
Balor
Conlaoch
Wartunes

Anschließend wurde noch bis in die frühen Morgenstunden mit Musik aus der Konserve von DJ Henning gefeiert.



Tag 2:

Den zweiten Tag eröffneten die Österreicher Basanos. Trotz der frühen Uhrzeit war das Zelt schon gut gefüllt, ein Umstand der sicherlich nicht zuletzt der schlechten Wetterlage geschuldet war und von dem nicht nur Basanos im Laufe des Festivals profitierten.
Die vier Wiener gaben sich alle Mühe, mit ihrem modernen Thrash Metal mit starker Metalcore-Prägung die morgendliche Müdigkeit aus den Besuchern zu grooven, was ihnen jedoch nicht recht gelang. Dies mag, trotz musikalisch solider Präsentation, sowohl am nach wie vor unausgewogenem Sound gelegen haben als auch an der Vielzahl der Wetterflüchtlinge im Zelt. 

Auch Davidian mussten im Anschluss hart um ihre Anerkennung kämpfen. Sie hatten zwar sichtlich Spaß an ihrem Auftritt, ihr moderner Death Metal kam jedoch nicht wirklich an. Einzig das Machine Head Cover des gleichnamigen Songs konnte ordentlich zünden.
Schade, denn ihre Musik hatte durchaus ihre starken Facetten, der stark corelastige Gesang war jedoch sicherlich nicht jedermanns Sache.

Anschließend waren Pictura aus Schwelm an der Reihe. Als erste Band des Festivals hatten diese einen wirklich guten Sound zu bieten, ein erster dicker Pluspunkt!
Die noch sehr junge Band ließ deutlich durchblicken, dass ihre besondere Liebe der Band Opeth gilt. Progressiver Death Metal mit klarem Gesang und tiefen Growls erwartete das Publikum, garniert mit reichlich Charisma und Ausstrahlung.
Besonders groß war die Freude auf Seiten Picturas: Nach jahrelanger Präsenz als Stammgäste auf dem Dong Open Air bekamen sie endlich die Möglichkeit, selbst die Bühne zu erklimmen. Es sei ihnen gegönnt.

Eastern Front, die einzige Black Metal Band des Festivals, übernahmen dann die Bühne. Thematisch orientieren sich die Briten, wie der Name vielleicht verrät, an Kriegsgeschichten rund um die Erlebnisse eines Landsers an der Ostfront.
Musikalisch durchaus stimmig, denn von Hochgeschwindigkeitsgeballere über groovende bis hin zu langsamen, schleppenden Parts war alles dabei. Dazu giftiges, böses Gekrächze. Auch die Bühnendeko und die Corpsepaints passten wie Faust aufs Auge.
Die wirklich gute Show konnte leider nicht über nun wieder merklich schlechteren Sound hinwegtäuschen, der guten Leistung tat das aber keinen Abbruch.

Nach einer kürzen Pause als geplant legten dann The Very End aus Essen nach. Der Bandeigene Techniker gab zwar alles, um den mageren Sound herauszupolieren, was ihm auch in gewisser Weise gelang, die Gitarren waren nun endlich präsent. Ein guter, Ausgewogener Sound klang jedoch nach wie vor anders.
Das Publikum hatte die Kombo rund um Ausnahmefronter Björn Gooßes jedoch trotzdem vom ersten Ton an im Griff. Mit viel Charme und einer unglaublich energiereichen Bühnenshow konnten sie die Menge im Handumdrehen von ihrer Mischung aus modernem Thrash und melodischem Death Metal der Marke Arch Enemy überzeugen.
Spielerisch waren The Very End schon fast wieder zu perfekt, man zweifelte teilweise an der Menschlichkeit der Musiker – Kritik mit einem Augenzwinkern.
Ein großartiger Auftritt mit einer Coverversion von She's a Maniac als Zugabe. Herrlich!

Bei den nachfolgenden Omnicide aus der Schweiz wurde schon beim Soundcheck klar, was von ihnen zu erwarten war: Highspeed-Death Metal der Marke Kataklysm. Diesen hat das Quintett aus Eggiwil auch nicht schlecht geschrieben, jedoch hat man ihn einfach schon zu oft in besser gehört. Auch der Gesang wirkte ein wenig zu sehr erzwungen. Wenn sie es jedoch schaffen, mehr eigene Akzente zu setzen, ist ihnen durchaus Potential zu attestieren.

Bevor es dann Zeit wurde für die beiden Headliner des Tages, Knorkator und Sepultura, durften noch die Wanne-Be Machine Head Drone ihr Glück versuchen.
Eine schlechte Performance konnte man ihnen dabei nicht vorwerfen, Energie und Auftreten waren ohne Fehl und Tadel. Besondere Kreativität in Sachen Songwriting jedoch ebenfalls nicht, man hätte auch genauso gut direkt die Hellalive von Machine Head zeigen können. Der mittlerweile durchaus alkoholgeschwängerten Masse gefiel es jedoch, Stimmungsmusik ist manchmal eben doch wichtiger als musikalische Qualität und Eigenleistung.

Um 22.50 Uhr setzten dann Knorkator an, den restlichen Bands eine Lektion in Sachen Party zu erteilen. In das Zelt passte kein Blatt Papier mehr und die Party kannte ab dem ersten Ton kein Halten mehr. Dabei war musikalische Exzellenz sicherlich kein Kriterium, die besseren J.B.O. verzichten jedoch dankenswerter weise auf jegliche Blödel-Klischees.
Humorige Ansagen, Ballspiele und Mädchenweitwurf mit einer beachtlichen Leistung von 2,5 Metern dominierten von nun an die folgenden 75 Minuten.
Frontmann Stumpen weiß genau wie er die Menge beherrschen kann und im Gegensatz zur musikalischen Einfältigkeit regten die wortgewandten Texte nicht nur zum mitsingen, sondern auch zum mitdenken und schmunzeln an.
Hervorragende Leistung bei perfektem Sound, schon zu diesem Zeitpunkt dürfte allen klar gewesen sein, dass dies die Band des Festivals sein dürfte!

Jetzt brauchte die Menge Geduld: zusätzlich zur halben Stunde Umbaupause ließen sich die Diven von Sepultura weitere 25 Minuten lang bitten, doch endlich ebenfalls einen Fuß in den Schlamm zu setzen, um dann auch einmal die Bühne zu betreten. Ein reichlich unnötiger Auftritt, den sie sich schon zu ihren Glanzzeiten besser nicht hätten leisten sollen. Aber man muss ja zeigen, dass man es auch mit zweifelhaften Größen wie Madonna und Lady Caca aufnehmen kann.
Der letztlichen Show muss man schließlich zweigeteilt gegenüber stehen: musikalisch taten sie das, was von Sepultura zu erwarten war. Alle Hits waren vertreten und wurden durchaus gut rübergebracht. Ein wahres Fest für Sepultura-Fans!
Die Menge jedoch reagierte im Gesamten eher Verhalten – dies wird nicht nur an der Verstimmung über die fast doppelt so lange Wartezeit gelegen haben, sondern auch an der aktuellen Besetzung. Während an der Instrumentenfront immerhin zwei Bandmitglieder die prägenden Zeiten miterlebt haben, ist in meinen Augen besonders Sänger Derrick an dieser Tatsache schuldig.
Ein Amerikaner aus gutem Hause, aufgewachsen in guter Nachbarschaft, mit offenbar guter Bildung kann einfach nicht die Attitüde herüber bringen, die einst ein Max Cavalera hatte und der Wut, dem Hass, dem Zorn und letztlich dem revolutionären Gedanken den entsprechenden Ausdruck verleihen, der ursprünglich intendiert war. Daher in meinen Augen leider nur eine gute Sepultura Cover-Band.

Im Auftritt der Cover-Metal-Band Soldiers of Rock fand der Abend dann bei einem rauschenden Fest seinen Abschluss.



Tag 3:

Der dritte Tag begann für ein Metalfestival etwas ungewöhnlich: Nicht handfester Metal stand auf der Tagesordnung, sondern moderner Rock der Marke Die Happy, in Gestalt der Band Revoling Door. Umso erstaunlicher, dass das Publikum die Band feierte, als gäbe es nichts selbstverständlicheres. Zu späterer Stunde wäre die Band sicherlich ein Renner gewesen.
Gute, ausgefeilte Arrangements treffen bei Revolving Door einen technisch versierten Gitarristen, einen herausragenden Trommler mit grandiosen Qualitäten in Sachen Posing und zwei Sängerinnen, bei denen nicht nur die Stimmen wunderbar harmonieren, sondern auch die Interaktion auf der Bühne. Bemerkenswert auch das junge Alter der Band. Ein guter Auftakt in den Tag!

Mit Burden of Grief folgte dann ein klarer Stilbruch zum Stilbruch. Nach modernem Rock kam nun moderner Death Metal. Die Shouts von Sänger Mike spielen ganz klar in der oberen Liga mit und auch der Rest der Truppe muss sich keineswegs verstecken.
Leider ist der Sound immer noch, wie schon die Tage zuvor, löchrig wie ein Sieb in der Mittenregion, die Band ballert trotzdem wie Sau und spätestens zum Cover von „Aces High“ kennt das halbvolle Zelt kein halten mehr!

Diese Vorlage an Qualität konnte die Nachfolgenden Collapse leider nicht fortsetzen. Was als Thrash Metal angepriesen wurde, entpuppte sich leider als sehr corelastiger Neo-Thrash, kaum noch als solcher zu bezeichnen.
Der Sound war mies, das Stageacting mangelhaft und die Mainvocals konnten sich nicht gegen den Rest der Band durchsetzen. Das Publikum glänzte zurecht durch Abwesenheit.

Wie Qualität auszusehen hat zeigten dann kurze Zeit später die Melodic Deather von Night in Gales, erneut um Ausnahmefronter Björn Gooßes (The Very End, s.o.). Passend zum Shirt des Sängers wird hier großartiger Old School Metal geboten und das glücklicherweise nicht nur von der 2011 Scheibe „Five Scars“, sondern auch Klassiker der ersten Stunde!
Dabei agierte die Band etwas statisch, die Performance des charismatischen Sängers machte dies aber mehr als nur wett.
War anfangs das Publikum noch etwas zu jung, um die alten Klassiker wertzuschätzen oder gar zu kennen, so vollzog sich im Laufe der Show ein klarer Wandel und immer mehr Fans der älteren Generation fühlten sich angelockt, gut so!

Napalm Death legten dann noch eine Schippe an Gewalt oben drauf. Vollkommen ohne Bühnendeko, dafür mit jeder Menge Aggression im Gepäck ballerten die Jungs um Gentleman Barney dem rappelvollen Zelt die scheiße aus dem Gesicht! Mit altbekannter Inbrunst ging besonders Barney zu Werke, aber auch der Rest ging ab wie Schmidt's Katze. Auch wenn die Musik sicherlich nicht was für jeden ist, die Fans dankten es der Band mit fetten Moshpits und einer großartigen Stimmung!
Lediglich am Sound sollten die Jungs noch etwas schrauben, laut ist nicht immer alles, spätestens wenn die Boxen derart übersteuern wie in diesem Fall sollte man die Grenze ziehen.

Mit Rage endete dann die 12. Auflage des Dong Open Airs mit einem großen Knall! Die Band rund um Perfektionist und Ausnahmegitarrist Victor Smolski und den Sänger und Bassisten Peavy Wagner wartete nicht nur mit perfektem Sound, sondern auch mit spieltechnischer Präzision auf, die weit und breit ihres Gleichen sucht! Ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige war, der Konstant auf einen Fehler des Herrn Smolski hoffte, nur um den Beweis zu haben, es immer noch mit Menschen zu tun zu haben.
Kein Hit fehlte, das Zelt feierte als gäbe es kein morgen mehr (in Anbetracht des letzten Festivaltages gar nicht so falsch) und forderten die Band schließlich so lange, bis auch spontan keine Zugabe mehr zu Stande gebracht werden konnte.
Immer wieder unterbrachen kleine Instrumentalstücke die Aneinanderreihung von Klassikern, in denen das Trio ihre musikalische Klasse zum Ausdruck brachte. Ein Feuerwerk für die Ohren und ein mehr als würdiger Abschluss dieses Festivals!

Auch wenn das Wetter nicht immer das beste war und die Bandauswahl teils eher dürftig, so war das diesjährige Dong doch ein durchaus gutes. Die Stimmung war zu jedem Zeitpunkt ausgelassen und friedlich und so wirklich die Stimmung verderben lassen wollte sich niemand.
Dafür sorgten sicherlich auch Bierpreise von 2€ für den halben Liter (und das bei Markenware!), faire Essenspreise und ein, bis auf die eingangs erwähnten technischen Schwierigkeiten, zügiger Ablauf.
Schön auch, dass das Dong eines der wenigen Festivals ist, bei denen noch die Musik im Vordergrund steht und nicht auf den aktuellen Trend des Entertainments in Form von Wrestling, Flunkyball-Tunieren oder ähnlichen Geschichten aufgesprungen wird! Weiter so!

 

Vielen Dank an die Orga für die Einladung, nächstes Jahr, sofern man uns möchte, gerne wieder!


Weitere Informationen

  • Band(s): Suidakra, Sepultura, Rage, Knorkator, Napalm Death u.a.
  • Wann: 12.-14.07.2012
  • Wo: Halde Norddeutschland, Neukirchen-Vluyn
Letzte Änderung am Dienstag, 17 Juli 2012 23:49
Boern Olgardson

Gitarrist bei Erzfeint

Finest german Ruhrpott-thrash!

Webseite: www.erzfeint.com

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