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22 Feb

Tallinn Under The Horns

  • geschrieben von  Ghostwriter

Um zu verstehen, wie die estnische Metalszene grundsätzlich funktioniert, braucht es eigentlich nur einen kurzen Trip nach Tallinn, ein paar Gespräche mit zweien oder dreien der aktiven Bands und einen Witz: „Wenn „unserem“ Drummer irgendwas...

 

...passiert, bricht hier die ganze Szene zusammen“.


Die Metal-Archives listen in Estland ca. 200 aktive sowie inaktive Bands, während fast 50% davon aus Tallinn oder dem direkten Umfeld entstammen. Mit 1,2 Millionen Menschen hat das Land weniger Einwohner als München und ist daher sehr überschaubar, wobei Tallinn als Hauptstadt das einzige echte Ballungszentrum des Landes bildet.


Die Pointe des Witzes ist dabei der große, große Traum eines jeden Fans von Underground-Metal. Statt wie in Deutschland, an einem Überangebot an Metalveranstaltungen (inklusive Hauen und Stechen von Bands und Veranstaltern) zu leiden, ist die Szene hier wie ein sehr lokales und eng verknüpftes Netzwerk an kreativen und dedizierten Individuen, die mehr wie ein Familienverband, als ein konkurrierendes Konglomerat an vermeintlichen Freunden, agieren. Fast jedes Bandmitglied ist gleichzeitig Sessionmusiker in einer oder mehreren weiteren Metalbands, Mischer, Stagehand oder Merchverkäufer – und besagter Drummer bespielt gleichzeitig, trotz seiner jungen Jahre, die halbe Tallinner Szene.

 

Die Stadt selbst ist der Traum und Albtraum eines jeden Metalheads. Die Nähe zu Finnland bzw. Helsinki, der große Schiffshafen sowie der Tallinner Flughafen, der einen Besuch von kontinental Europäern und Skandinaviern sehr einfach macht, hat das Stadtbild maßgeblich geprägt. Tallinn profitiert von den vielen Tages- und Wochenend-Touristen, die zu Tausenden aus den Hochsee Luxus Linern, Fähren und Flugzeugen strömen.Gerade Aufgrund des günstigen Alkohols hat man auch viele Finnen, die sich auf der Fähre den Duty-Free Alkohol im gros besorgen und den Tag in Tallinn verbringen.

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Die Infrastruktur ist hierbei als sehr gut ausgebaut zu bezeichnen. Estland gilt als die WIFI-Hauptstadt Europas und selbst ohne Flatrate und Roaming findet man an praktisch jeder Ecke offene und geschützte Netzwerke, die bei Nachfrage der jeweiligen Location oft bereitwillig zur Verfügung gestellt werden. Tallinn selbst kann sehr gut zu Fuß bestritten werden und in der Regel ist man in 20-30 Minuten einmal quer durch die Stadt gelaufen. Da sich „Uber“ und der örtliche Platzhirsch „Fairtaxy“ einen harten Preiskampf liefern, profitiert man von den sehr günstigen Fahrten durch die Stadt. Per App bestellt, wartet man selten länger als 5 Minuten auf ein freies Taxi, das einen überall hinbringt (bspw. eine Fahrt vom Zentrum zum Kriegsmuseum, ca. 15km, kostet pro Person zwischen 3 und 5 Euro).

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Im Stadtkern mischt sich in einer sehr pittoresken Szenerie mit seinen Türmen, Mauern, Wehranlagen und Fachwerkhäusern, die sowjetische Architektur des von 1945 bis 1992 besetzten Landes. Während etwas außerhalb die Alkohol- und Essenspreise fast deutsches Niveau erreichen, landet man in einer Bar im Stadtkern schnell auf skandinavischen Level. Für eine Stippvisite empfiehlt sich dieser Teil Tallinns aber unbedingt und Anlaufstellen sind neben dem Domberg, dem Kanonenturm „Kiek in de Kök“ und seinen Festungsanlagen, der zentrale Rathausplatz und die vielen verwinkelten Gässchen drum herum. Schwerer zu finden bzw. oft übersehen (obwohl in Schwalbenreichweite gelegen), ist die „Linnahall“ und die „Patarei“ Seefestung. Erstere wurde anlässlich der olympischen Spiele 1980 aus dem Boden gestampft und ist inzwischen seit 2009 dem Verfall preisgegeben. Zugänglich ist die Halle leider nicht, aber man hat vom weitläufigen Dach des Bunkers einen fantastischen Blick auf den Hafen und die See. In den Gedärmen des riesigen Betonmolochs befinden sich allerdings noch diverse Proberäume der Tallinner Black, Death und alternativen Szene sowie ein voll ausgerüstetes Aufnahmestudio, teilweise noch mit sowjetischem Equipment. Die Seefestung hingegen wurde zu einem Gefängnis umgebaut und ist inzwischen auch dem Verfall preisgegeben und daher geschlossen. Das estnische Verteidigungsministerium plant zumindest teilweise das in Viimsi gelegene Kriegsmuseum und dessen Ausstellungen dort unterzubringen, wobei es noch an Geldgebern fehlt (-Wer einen guten Investor kennt bitte melden, ich könnte da Kontakt herstellen). Wer Zeit mitgebracht hat sei das „Sojamuseum“ empfohlen, das die lange Geschichte von Okkupation durch diverse Staaten, Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit von eben jenen sehr gut darstellt und auch die Deutsch-Estnische Freundschaft anschaulich erklärt.

 

Für qualitativ hochwertigen Trinkspaß sowie original estnisches Essen ist die direkt im Stadtkern auf dem zentralen Platz gelegene Bar „Draconis“ und das „Olde Hansa“ zu empfehlen, die, jeweils im Mittelalterstil aufgemacht, eine Menge Charme versprühen. Die Woodstock Bar, die ca. 600m oder 4 Gehminuten vom Stadtkern entfernt ist, ist als Rock- und Metalbar eine weitere Anlaufstelle. Als Gimmick findet man an der Wand, startend vom legendären Woodstock Festival, wichtige Höhepunkte der estnischen Szene, unter anderem die Band Taraphita und Manatark, die in den 90er die Szene maßgeblich prägten. Die Bar wird zwar unter der Hand als Suffhauptquartier der lokalen Trinkerszene verschrien, ist aber tatsächlich ein wenig heißes Pflaster.

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Wurde Eingangs die fast familiär zu nennende Szene gepriesen, lohnt sich der Besuch des Black Magic Estonia, das vom Veranstalter des Howls Of Winter und Thou Shell of Death- Sänger Ingmar und der Süngehel- Sängerin Kädi gegründet wurde. Hierbei handelt es sich in etwa um ein Clubhaus, wie es hierzulande von einem HMC betrieben werden würde. In der Location, die unscheinbar und versteckt in einem zerrupften Industriegebiet gelegen, die größe eines mittleren Wohnzimmers besitzt, trifft sich allabendlich die Szene, um mittels Beamer Horrorfilme oder Musikvideos zu schauen bzw. der härteren Musik zu fröhnen. Das BME ist praktisch nach jedem örtlichen Konzert und Festival die Aftershow Anlaufstelle, in der sich das Who-is-Who der Szene sowie die Bands auf einen Absacker treffen. Dies eskaliert regelmäßig zu echten Gelagen, da Bier dort günstig und die Stimmung hoch ist. (Unsere Reisegruppe wurde während unseres Aufenthaltes Sonntags gegen 7 Uhr nach Hause geschickt, obwohl wir uns geschworen hatten spätestens um 2 Uhr Schluss zu machen.)

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Der Rock Club „Tapper“ ist wohl der wichtigste Veranstaltungsort für die örtliche Szene. Der Club liegt im Randbezirk von Tallinn und ist Austragungsort von diversen Metal- und Rock Konzerten und vor allem dem Howls Of Winter Festival, welches jährlich im Februar stattfindet und sich dem schwarzmetallischen Genre widmet. Das Hard Rock Laager, das sich über 15 Jahre lang zum Kleinod der Szene entwickelt hat, zieht im Sommer inzwischen ca. 2000 Fans aus dem Baltikum, Skandinavien, Russland und der ganzen Welt an. Neben großen internationalen Bands findet man hier vor allem estnische Bands wieder, die lange nicht die Aufmerksamkeit genießen, die sie bekommen sollten.

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Abschließend ist zu sagen, dass mir persönlich der Besuch in Tallinn den Glauben an die Szene zurückgegeben hat. Kaum Konflikte bzw. Konkurrenzdenken, gegenseitiger Support, eine kleine und dadurch sehr familiäre Metalszene sowie einzigartige Bands mit einer Historie aufwarten, die der norwegischen oder finnischen in nichts nachsteht – all das macht Estland bzw. Tallinn zu einem Ort, der jedem Fan der harten Musik einen näheren Blick abringen sollte.


Letzte Änderung am Samstag, 25 Februar 2017 22:05
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