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04 Sep

Es gibt auch schlechte PR

Hans spielt Gitarre und singt eigentlich ganz gerne. Er hat sich für die Karriere eines professionellen Musikers entschieden und möchte mit seiner Band möglichst viele Menschen erreichen. Dazu nutzt er unter anderem Social Media Kanäle, um sich und seine Kunst besser zu vermarkten. Nun hat er etwas online gestellt, das viele Menschen nicht gut finden und plötzlich laden vereinzelt Promoter ihn und seine Band wieder aus.


Normalerweise geht es oft in solchen Geschichten um Bilder und Videos mit politischem Kontext. Vielleicht fiel ein dummer Spruch oder eine falsche Geste, aber das ist hier nicht so richtig der Fall. Wer sich dafür übrigens interessiert, sollte dazu den letzten Blogeintrag auf UG lesen. Ausgangspunkt des ganzen Wirbels hier sind Tiere - große Säugetiere. Um genauer zu sein handelt es sich dabei um Grindwale und Delfine, die unter dem Begriff „Grindadráp“ jährlich auf den Färöern, zwecks Eigenversorgung, geschlachtet werden. Sollte sich zufälligerweise eine wilde Kolonne der oben genannten Insel nähern, schlagen die Fischer Alarm und mithilfe von lizensierten Jägern werden diese Tiere in Küstennähe getötet. Anschließend dürfen sich Privatpersonen an den Kadavern bedienen und diese für den privaten Verzehr nutzen. Die Regierung reglementiert dieses Verfahren sehr strikt und auch die Art der Erlegung ist genauestens festgehalten. An dieser Stelle muss noch erwähnt werden, dass dieses Spektakel für die Färöer eine Art Volksfest ist und sich auf eine langjährige Tradition beruft. Da die Inselgruppe zur dänischen Krone gehört und nicht Teil der europäischen Gemeinschaft ist, befindet sich dieses Thema in einer politischen Grauzone und ist offiziell legal dort.


Frontmann Heri Joensen von der Viking-Metal-Band TÝR, bekannt für seine Haltung gegenüber Traditionen, insbesondere im Bezug zu seiner Heimat, sorgte eben gerade mit einem besonderen Schnappschuss auf Facebook für Furore. Darauf kniet er neben einem toten Tier und zerlegt es mit einem Messer. Der Anblick mag kafkaesk wirken, aber an dieser Stelle würde ich behaupten, dass es genug andere öffentliche Personen mit viel krasseren Hobbies und Vorlieben gibt, die leider einen Internetzugang haben.


Mein eigentlicher Beweggrund für diesen Artikel bezieht sich nun auf die Geschehnisse nach der Veröffentlichung des Bildes. Denn jetzt wurde die Band von der kompletten Tour mit SIRENIA und UNLEASH THE ARCHER ausgeschlossen. Die Begründung lautet vom Logo in Hamburg und Café Central in Weinheim: „[…] [der] Kopf der Band [ist] [ein] aktiver Teil der Grindwaljagd.“ bzw. „[a]ufgrund des Backgrounds und der Verknüpfung der Band mit der Waljagd auf den Färör Inseln, sehen wir davon ab die Band auftreten zu lassen!“.


In China essen sie Hunde, im Dschungelcamp Känguruhoden und dort auf der Insel halt Wale. Der Eklat dahinter ist, dass wir halt in Europa sind und von einer anderen Dimension von Tier sprechen. Jeder, der ein Steak für 2€ im Discounter kauft, ist sich mehr oder weniger bewusst, dass dieses Wesen definitiv kein schönes Leben gehabt haben konnte und ebenso wenig schön diese Welt wieder verlässt. Was unterscheidet nun euer Nackensteak in Paprikamarinade aus dem Billigmarkt von Walrippchen? Während das eine Lebewesen in Freiheit und in seinem natürlichen Lebensraum existieren durfte, wurde das andere nur mit der Intention auf einem Teller eines Tages zu landen, gezeugt und genährt. Und seien wir mal ehrlich zueinander: Der Tod ist keine tolle Sache. Egal ob mit Gas, gezielten Schlägen oder irgendwelchen anderen Hilfsmitteln. Wer Fleisch isst, sollte sich bewusstmachen, dass dafür nun einmal eine Existenz ausgelöscht werden musste. Und vor allem sollte man aufhören sich in diese gottähnliche Position zu begeben, denn wer gibt uns das Recht zu bestimmen welche Tiere wertvoll und welche weniger wertvoll sind? Auch Schweine sind z.B. intelligent und können Gefühle empfinden!


Mich stört es nur, dass eine komplette Tournee, die schon lange im Voraus geplant worden ist, nun völlig auf den Kopf gestellt wird und die Band als Gesamtes am Pranger steht. Das Trio verherrlicht den Walfang in seiner Musik nicht, noch animiert es seine Fans dazu nach Färöer zu kommen, um mitzumachen oder das ein jeder jetzt aufs Meer fahren sollte, um diese Tiere zu jagen. Ausnahme ist das Lied ‚Grindavísan‘, jedoch wird der Teil mit dem Abschlachten und dem Blutrausch der Leute ausgeklammert. Es ist faktisch keine illegale Geschichte und wir sprechen hier von einem Privatkonsum und keinem Massenprodukt. Darüber hinaus frage ich mich, ob sich jemand mal darüber Gedanken gemacht hat, was dieser Ausfall für sie eigentlich bedeutet? An einer Tour hängen nämlich wesentlich mehr Menschenleben ab, als so manch einem klar ist. Vor allem, wenn man auch noch davon finanziell abhängig ist.


Ich verstehe die Gefühle von Tierliebhabern und Umweltschützern, bin aber der Meinung, dass Menschen, die kein Tier selbst erlegen und töten könnten am besten Veganer werden sollten. Wer also problemlos jeden Tag ein Schnitzel oder Wurstbrötchen verputzen kann, hat keinerlei Mitspracherecht. Zusätzlich habe ich das Gefühl, dass bei diesem Thema vielen die Fähigkeit fehlt die Perspektive zu wechseln. Anstatt zu kommunizieren, redet man schlichtweg nur aneinander vorbei. Wenn also jemandem für die Jagd nach Walen keine Bühne gewährt wird, sollte man doch bitte so konsequent sein und nur noch Veranstaltungen von und für Veganer, überpolitisch korrekt eingestellten Fairtrade- und Bio-Einkäufern auf die Beine stellen.


[Silent_Moon]

 

 

Vorab: Ich bin selbst Veganer und verurteile die Grindwaljagd, aber ich verurteile jedes Abschlachten von Tieren (auch wenn ich über die Notwendigkeit der Jagd in unseren Wäldern im Bilde bin). Das nur als Erklärung, nicht, dass jemand was komisches denkt.


Aber nun müssen wir etwas differenzierter an die Sache rangehen: Die Grindwaldjagd kann nicht mit der Jagd in unseren mitteleuropäischen Wäldern verglichen werden. Wir haben sämtliche natürlichen Feinde vertrieben und so würde das Rotwild immer mehr zunehmen, die Baumbestände würden darunter leiden, das gesamte "natürliche" Gleichgewicht würde komplett kippen, gäbe es die Jäger nicht - sie ersetzen quasi den natürlichen Feind.


Auch die Sache mit den Rentieren kann in dem Kontext nicht angeführt werden, denn es sind nicht nur die Finnen die Rentiere "halten". Es ist von Norwegen, Schweden, Finnland und Russland gemeinsam beschlossen worden, dass keine Privatpersonen (oder nur mit absoluter Sondergenehmigung - die Kriterien dafür sind mir unbekannt) sie "halten" dürfen. Nur die Samen, das nordeuropäische indigene Volk, dürfen Herden besitzen, weil es nicht nur zu deren Kultur gehört, sondern für viele Familien und Dorfverbände die absolut einzige Möglichkeit ist, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Da oben gibt es halt nichts anderes. Jedes Land hat eine Art Kontingent für die Anzahl der gehaltenen Rentier, die gehalten werden dürfen. Die Samen gehen dorthin, wo die Tiere hingehen, was bedeutet, dass sie in Freiheit leben und nur einmal im Jahr (November) zusammengetrieben werden. An den Ohrmustern erkennen die Besitzer ihre eigenen Tiere, der Nachwuchs wird gezählt und danach richtet sich dann die Zahl der Tiere, die geschlachtet werden dürfen. In Finnland gibt es eine Familie in Inari, die einige Tiere privat hält - ich weiß nur, dass es eine Rentierfarm ist, die bei Touristen sehr beliebt ist. Aber dort laufen die Tiere, wie in einem großen Wildgehege frei rum - weit weg also von unseren Zoos oder gar Bauernhof-gefängnissen.

Nun zur Sache konkret: Wale muten für uns irgendwie exotisch an, deswegen können wir nicht nachvollziehen, wie man Wale abschlachten kann. Wie aber schon angeschnitten wurde: Wer gibt uns das Recht eine Wertabstufung zu machen, welches Lebewesen wertvoll und besonders schützenswert ist und welches okay ist zu töten? Als einziger Indikator kann dafür wohl nur die Liste für bedrohte Tierarten herhalten. Ich bin mir jetzt nicht sicher - ich hab nichts dergleichen über Grindwale gefunden, aber wenn jemand etwas mehr weiß darüber weiß, bin ich über Infos dankbar!


Dasselbe gilt auch dafür, dass nicht nur in China Hunde verspeist werden, auch in einigen Kantonen in der Schweiz ist das absolut normal! Das kann man als moralisch verwerflich finden, oder nicht, aber ein Leben ist ein Leben. Ist es nicht egal, ob das Herz eines Rinds, Schweins, Hundes oder eben Wals gestoppt wird? Grausam ist es immer. Vielleicht liegt der besondere Schrecken bei der Grindwaljagd darin, dass es jeder sehen kann, dass das Blut das Wasser rot färbt und es dem Menschen so viel realer gemacht wird. Einem abgepackten Stück Fleisch sieht man nun einmal nicht an, das was Schreckliches passiert ist.

Wenn wir jetzt auf der Schiene weiterdenken, dann sollten wir uns Peter Singer, Christiane Wolf und auch Kant etwas genauer ansehen: Die sehen nicht nur die Gleichheit unter Tieren, sondern stellen ALLE Lebewesen erstmal auf eine Stufe. Und da stellt sich die Frage: Was genau unterscheidet Tiere von Menschen? - Und das ist nur die mangelnde moralische Verantwortung Lebewesen gegenüber. Das kann auch im Tierreich bei einigen Arten wiederlegt werden, aber eben auch bei Menschen. Was ist mit Kindern unter 4 Jahren, deren moralischer Sinn noch nicht voll entwickelt ist? Was ist mit behinderten Menschen, die natürlich keine Verantwortung für andere übernehmen können? Keiner von uns würde sagen, dass es okay ist Kleinkinder und behinderte Menschen zu töten. Das nennt man Speziesismus (Anmerk. d. Verf.: Ich hab darüber eine ganze Hausarbeit geschrieben, wer daran interessiert ist, kann es von mir gerne zugeschickt bekommen).


Was passiert da also auf den Färöern und der Wahnsinn mit dem Absagen der TÝR-Shows? Die Grindwaljagd ist tief in der Kultur der Färöer verwurzelt. Um genau zu sein ist es das Einzige, was ihre Kultur ausmacht. Auch die Isländer sind im Großen und Ganzen immer noch stolz darauf, dass sie Jäger sind, dass sie Waljäger sind, dass sie diesen großen starken Tieren überlegen sind (Anmerk. d. Verf.: Erklärung meiner isl. Dozentin vor ein paar Jahren). Inzwischen gibt es die Waljagd auf Island kaum noch, weil es zum großen Teil verboten wurde, aber für die Einwohner ist es nicht so schlimm, denn was um Längen wichtiger ist, ist das geschriebene Wort. Diese Kultur besteht in erster Linie aus den Sagas, da ist es im Ganzen nicht so drastisch, wenn eine Sache wegfällt. Den Färingern die Jagd wegzunehmen, wäre, als würde man den Deutschen verbieten Goethe zu lesen. Das gesamte Identitätskonstrukt (was unterscheidet uns von den Dänen, von den Isländern, von dem Rest der Welt?) baut auf der Jagd auf. Das kann man bedauernswert finden, oder nicht, aber so ist es. Und ich muss grade hier niemandem erzählen, was es mit einem macht, wenn man seine Wurzeln plötzlich negiert und sich erstmal ins Weltgesamtgefüge neu einordnen muss.


Es bringt rein gar nichts für bzw. gegen das Abschlachten, wenn man TÝRs Tour boykottiert - egal ob er aktiv oder passiv teilnimmt. Grund: TÝR sind nicht verantwortlich dafür, ob das Abschlachten verboten wird. WAS etwas bringt ist, was Fluggesellschaften und Schifflinien zurzeit machen: Die Inseln nicht mehr anfahren. Das schwächt einen wichtigen wirtschaftlichen Zweig der Färöer, dem Tourismus, und zwingt die Verantwortlichen vielleicht einmal zu handeln (hinsichtlich den oben genannten Gründen bezüglich Kultur, sehe ich allerdings trotzdem schwarz). Was mit TÝR gerade passiert ist eher eine Art Rassismus.


Es wurde auch von jemandem gesagt, dass ein Lied schon sehr verherrlichend wirkt. Allein den Songtext als Indikator dafür zu nennen, dass sie das REAL geil finden, halte ich für problematisch. Grade in unserer musikalischen Ausrichtung wird sehr viel Gewalt verherrlicht, was die Interpreten in der Realität aufs schärfste verurteilen - umgekehrte Psychologie. Bestes Beispiel wären hier wohl CANNIBAL CORPSE. Es wird ja eigentlich auch nur das beschrieben, was passiert und stützt auch die Erklärung meiner isl. Dozentin. Der Songtext vermittelt Vorfreude auf die Jagd. Sie sagen quasi, dass sie den starken großen Tieren überlegen sind, die ihre Kraft nicht richtig einschätzen können. Was ich dann schon eher problematisch finde ist, dass der Song Paul Watson gewidmet wurde, wenn ich richtig informiert bin der Gründer von Sea Shepherd ist.... und das hat dann schon einen gewissen Beigeschmack.


[Anna Apostata]

Quelle:
http://www.whaling.fo/
https://www.facebook.com/newevil.music
https://www.facebook.com/logohh/?fref=nf
https://www.youtube.com/watch?v=QlPgA-YXLEU&;feature=youtu.be

Bild:
https://www.facebook.com/joensen.heri/photos/a.188995344498321.51646.146456442085545/1180393742025138/?type=3&;theater

Letzte Änderung am Sonntag, 04 September 2016 16:41
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